Experten Tipp: SMART-Ziele

In diesem Blog Artikel erfahren Sie, warum SMART formulierte Ziele nicht für jedes Ziel geeignet sind und worauf es wirklich bei der Ziel Erreichung ankommt.

By Borgstedt | Blog

Jan 14

Spezifisch, Messbar, Attraktiv Realistisch, Terminiert

Eine aus der Betriebswirtschaft stammende Vorgehensweise bei der Bestimmung von Zielen ist die Anwendung der SMART-Formel. Das Akronym SMART steht dabei für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Die Theorie dahinter lautet, um ein Ziel zu erreichen sollte dieses spezifisch, d. h. klar formuliert und messbar sein sowie realistisch und attraktiv.

Die SMART-Formel stammt von den US amerikanischen Psychologen Edwin A. Locke und Gary Latham. Ausgangspunkt ihrer Studien zur Zielerreichung war die Annahme, dass Motivation und Leistung, durch Ziele und die Rückmeldung über deren Erreichen, bestimmt werden.

Motivation und Leistung steigen bei Zielklarheit und Feedback

In mehr als 400 empirisch überprüften Studien, wurden die zentralen Annahmen der beiden Psychologen – höherer Output durch klare Ziele – belegt (Locke & Latham 2006; Latham & Locke 2007).

Ziele mittels der SMART-Formel zu formulieren ist allerdings immer nur dann sinnvoll, wenn es um einfache Tätigkeiten und gleichbleibende Situationen geht. Besteht Ihr Ziel darin, täglich zehn potenzielle Kunden anzurufen ist dieses SMART formulierte Ziel sicher sehr effektiv. Besteht Ihr Ziel allerdings darin, lieb gewonnene Gewohnheiten und eingeschliffene Abläufe zu verändern, sind Sie gut beraten nicht nur auf die SMART-Zielformel zu setzen.

Elefant und Reiter mit Zielkonflikt

Um den Unterschied zwischen den genannten Beispielen zu verdeutlichen, bedarf es einer genauen Betrachtung der Vorgänge in unserem Gehirn. Wir haben es mit zwei Instanzen in unserer Oberstübchen zu tun, die wesentlich unser Verhalten bestimmen. Der Psychologe Jonathan Haidt hat in seinem Buch “Die Glückshypothese” ein wunderbares Bild für die Vorgänge in unserem Gehirn gezeichnet. Für Haidt ist unser emotionales Gehirn ein Elefant und unser rationales Gehirn der Reiter. Der Reiter sitzt oben auf dem Elefant und scheint die Kontrolle zu haben und zu führen. Allerdings ist diese Führung sehr unsicher, was sich schon allein aus dem Größenunterschied zwischen Reiter und Elefant ergibt. Jedes mal, wenn Reiter und Elefant uneinig sind in welche Richtung es gehen soll, verliert der Reiter.

Situationen in denen der Elefant den Reiter bezwingt, sind den meisten von uns wohl bekannt. Das fängt schon morgens mit dem Klingeln des Wecker an, wenn der Elefant flüstert „Nur noch fünf Minuten“ oder wenn bereits am 3. Januar der gute Vorsatz weniger zu essen über Bord geworfen wird und der Elefant schmatzend murmelt „Man lebt nur einmal.“

Sofortige Belohnung vs. Belohnungsaufschub

Der Elefant ist unsere emotionale, instinktive Seite. Er ist faul, übermütig, impulsiv und zieht die kurzfristige Belohnung (Stück Sahnetorte) dem langfristigen Ziel (schlank sein) vor. Der Wunsch des Elefant nach sofortiger Belohnung steht der Fähigkeit und der Stärke des Reiters, langfristig zu denken und zu planen entgegen.

Oft stehen eben Herz und Verstand im Widerspruch zueinander

Allerdings gib es noch eine andere Seite des Elefanten. Der Elefant ist mitnichten immer der Spielverderber. Er steht für unsere Emotionen, für Liebe, Empathie, Mitgefühl, Verständnis und Loyalität. Immer wenn wir für uns selber einstehen oder unsere Kinder vor Schaden bewahren, dann ist unser Elefant im Einsatz.

Und noch eine Fähigkeit zeichnet den Elefanten aus. Er ist derjenige der durch seine Kraft und Energie Veränderungen erst möglich macht. Ganz im Gegensatz zum Reiter, dessen große Schwäche es ist, zu viel zu analysieren und nachzudenken.

Wenn wir versuchen etwas zu verändern, dann basteln wir meisten an Verhaltensweisen herum, die wir bereits vor langer Zeit etabliert und automatisiert haben.Doch wenn sich Reiter und Elefant gemeinsam nach vorne bewegen, dann sind echte Veränderungen möglich.

Follow

About the Author

Michael Borgstedt, Entrepreneur, Management Trainer, Businesscoach und Speaker. Er ist Inhaber der Borgstedt Akademie, die Unternehmern und Führungskräften praxisorientierte Weiterbildungsangebote bietet sowie Gründer der Michael Borgstedt High Performance Akademie, die auf die Entwicklung innovativer E-Learning Konzepte spezialisiert ist. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt er sich mit Betriebs- und Kommunikationspsychologie, Veränderungsprozessen auf individueller- und organisatorischer Ebene sowie der positiven Psychologie. Zu seinen Kunden zählen erfolgreiche Selbständige, mittelständische Unternehmen und Konzerne. Erfahren Sie mehr unter Michael Borgstedt